Zusammenfassung und Redebeiträge der Demo 2026 in Gedenken an Ferhat Mayouf

Veröffentlich am 31.07.2026

Rede von Thomas Meyer-Falk

[english below]

Liebe Gefährtinnen und Gefährten!
Heute wird wieder an das Sterben hinter Gittern erinnert. An den Tod von Ferhat Mayouf. Ums Leben gekommen am 23. Juli 2020 hier in diesem Gefängnis. Wir alle weigern uns zu vergessen. Wir weigern uns Ferhat zu vergessen. Oder all die anderen Menschen die hier gestorben sind!
Ferhat Mayouf kann nicht mehr für sich sprechen. Er ist tot.

Einer von so vielen Menschen, die dieses Gefängnis nie wieder lebend verlassen haben. Ferhat rief um Hilfe während seine Zelle brannte. Und sein Tod ist bis heute ohne Konsequenzen geblieben. Die Verantwortlichen mussten sich nicht einmal vor Gericht verantworten.
Ich war selbst einige Zeit in Haft. Nicht hier in Moabit, sondern in Baden-Württemberg und so weiß ich aus eigenem Erleben, das inhaftiert zu sein nicht nur Freiheitsentzug bedeutet. Gefängnis geht immer einher mit Angst. Mit Isolation. Mit Erniedrigung.
Mit einem ständigen Gefühl, ausgeliefert zu sein.
Mit dem Wissen, dass dein Leben jeden Tag von Menschen bestimmt wird, die nahezu grenzenlose Macht über dich haben.
Und mit dem Wissen, dass draußen meist niemand erfährt, was hinter diesen Mauern geschieht.

Der Tod von Ferhat Mayouf war kein tragischer Einzelfall. Er steht in einer langen Reihe von Menschen, die in Polizeigewahrsam, in Abschiebehaft oder hinter Gefängnismauern gestorben sind. Immer wieder hören wir dieselben stumpfen Erklärungen der Polizei und Justizbehörden.
Immer wieder werden Verfahren gegen die Beamt:innen eingestellt.
Der Staat schützt seine eigenen Institutionen bis zum letzten.

Ich kann nicht über Ferhat sprechen, ohne über Rassismus zu sprechen.
Ferhat Mayouf war Algerier ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Er gehörte damit zu jenen Menschen, die in Deutschland besonders häufig kontrolliert, kriminalisiert und entrechtet werden. Genau diese Mischung aus Armut, Ausgrenzung und staatlicher Kontrolle endet viel zu oft in einer Zelle. Auch Ferhat geriet so in die Mühlen der Berliner Justiz, dann in dieses Gefängnis.

Gerade deshalb ist es so wichtig heute hier zu protestieren. Immer wieder laut zu werden!
Der Tod von Ferhat Mayouf muss Konsequenzen haben!
Es braucht Konsequenzen für staatliche Gewalt und ihre Vertuschung.
Niemand von uns wird schweigen, solange Menschen hinter Gittern entrechtet, misshandelt und dem Tod überlassen werden.

Wir vergessen Ferhat Mayouf niemals!.
Kein Vergeben. Kein Vergessen. Freiheit für alle Gefangenen.


(Seite 1): Zusammenfassung (de/en)
(Seite 2): Benjamin Düsberg (de/en)
(Seite 3): Mutombo Mansamba (de/en)
(Seite 4): Migrantifa Berlin (de/en)
(Seite 5): Andreas Krebs (de/en)
(Seite 6): Death in Custody (de/en)
(Seite 7): Thomas Meyer-Falk (de/en)
(Seite 8): KOP Berlin (de/en)



Speech from Thomas Meyer-Falk

Dear comrades!
Today we once again commemorate those who have died behind bars. We remember the death of Ferhat Mayouf, who lost his life on 23 July 2020 here in this prison. We all refuse to forget. We refuse to forget Ferhat. Or all the other people who have died here!
Ferhat Mayouf can no longer speak for himself. He is dead.

One of so many people who never left this prison alive. Ferhat cried out for help whilst his cell was on fire. And to this day, his death has gone unpunished. Those responsible did not even have to answer for their actions in court.
I myself spent some time in prison. Not here in Moabit, but in Baden-Württemberg, and so I know from my own experience that being imprisoned means more than just a deprivation of liberty. Prison always goes hand in hand with fear. With isolation. With humiliation.
With a constant feeling of being at the mercy of others.
With the knowledge that your life is determined every day by people who have almost limitless power over you.
And with the knowledge that, for the most part, nobody on the outside ever finds out what happens behind these walls.

Ferhat Mayouf’s death was not a tragic isolated incident. He is one of a long line of people who have died in police custody, in detention pending deportation or behind prison walls. Time and again, we hear the same hollow explanations from the police and the judicial authorities.
Time and again, cases against the officers are dropped.
The state protects its own institutions to the very end.

I cannot speak about Ferhat without speaking about racism.
Ferhat Mayouf was an Algerian without secure residency status. He was therefore one of those people in Germany who are particularly frequently subjected to checks, criminalised and deprived of their rights. It is precisely this combination of poverty, marginalisation and state control that all too often ends in a prison cell. Ferhat, too, was thus caught up in the machinery of the Berlin justice system, and then ended up in this prison.

That is precisely why it is so important to protest here today. To keep raising our voices!
Ferhat Mayouf’s death must have consequences!
There must be consequences for state violence and the cover-up of it.
None of us will remain silent as long as people behind bars are deprived of their rights, mistreated and left to die.

We will never forget Ferhat Mayouf!
No forgiveness. No forgetting. Freedom for all prisoners.


(Page 1): Summary (de/en)
(Page 2): Benjamin Düsberg (de/en)
(Page 3): Mutombo Mansamba (de/en)
(Page 4): Migrantifa Berlin (de/en)
(Page 5): Andreas Krebs (de/en)
(Page 6): Death in Custody (de/en)
(Page 7): Thomas Meyer-Falk (de/en)
(Page 8): KOP Berlin (de/en)

1 2 3 4 5 6 7 8