Zusammenfassung und Redebeiträge der Demo 2026 in Gedenken an Ferhat Mayouf

Veröffentlich am 31.07.2026

Redebeitrag von Benjamin Düsberg

[english below]

Ferhat Mayouf befand sich in Untersuchungshaft wegen eines versuchten Diebstahlsdelikts. Er wurde dreimal getötet.

Zuerst wurde ihm notwendige psychologische Betreuung vorenthalten. Anschließend wurde er dem Feuerrauch in seiner Zelle überlassen, so dass er erstickte. Schließlich verweigerte das Justizsystem, das ihn tötete, jede Aufklärung und Verantwortungsübernahme.

Denn die Justizmaschine muss weiterlaufen, gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste. Innehalten, Reflexion und Humanität würden den Betrieb nur stören. Ferhats Tod offenbart die stille, undurchdringliche und systematische Gewalt des Knastsystems. Er zeigt exemplarisch die Gleichgültigkeit gegenüber eingesperrten Menschen – eine Gleichgültigkeit, welche die allgemeine Austauschbarkeit menschlichen Lebens in der kapitalistischen Gesellschaft nur noch auf die Spitze treibt.

Die vier Beamten vor seiner Tür – zu einem Zeitpunkt, als Ferhat höchstwahrscheinlich noch lebte – entschieden, diese NICHT zu öffnen, es nicht einmal zu versuchen – entgegen klaren internen Anweisungen zum Verhalten im Brandfalle. Unmittelbare Hilfe war möglich und geboten – es handelte sich lediglich um einen Schwelbrand. Er selber konnte sich nicht mehr helfen, da seine Tür von außen versperrt war. Die daraus erwachsende Schutzpflicht haben die Justizbeamten nicht wahrgenommen. Ferhats Leben war es offenbar nicht wert, gerettet zu werden.

Die Untersuchungshaft in der JVA Moabit sperrte nicht nur seinen Körper ein, sondern sperrte auch seine Würde aus. In der Haft wird verwaltet und verwahrt, wer dort nicht funktioniert, hat verloren. Ferhats Schicksal erinnert uns alle an die inhärente Kälte der bürgerlichen Gesellschaft, welche in ihrem Knastsystem kulminiert. Sein Schicksal motiviert uns zum solidarischen Kampf für die Aufhebung dieser Verhältnisse.

Ich freue mich, dass ihr alle Ferhat auch sechs Jahre nach seinem Tod erinnert. Und nicht aufhört, Gerechtigkeit für ihn und für alle anderen Opfer des Knastsystems zu verlangen. Danke für Euren Einsatz!


(Seite 1): Zusammenfassung (de/en)
(Seite 2): Benjamin Düsberg (de/en)
(Seite 3): Mutombo Mansamba (de/en)
(Seite 4): Migrantifa Berlin (de/en)
(Seite 5): Andreas Krebs (de/en)
(Seite 6): Death in Custody (de/en)
(Seite 7): Thomas Meyer-Falk (de/en)
(Seite 8): KOP Berlin (de/en)



Speech from Benjamin Düsberg

Ferhat Mayouf was in pre-trial detention on suspicion of attempted theft. He was killed three times.

First, he was denied the psychological care he needed. He was then left to suffocate in the smoke from a fire in his cell. Finally, the justice system that killed him refused to provide any explanation or accept responsibility.

For the machinery of justice must keep turning, mercilessly and regardless of the cost. Pausing, reflection and humanity would only disrupt its operation. Ferhat’s death reveals the silent, impenetrable and systematic violence of the prison system. It exemplifies the indifference towards imprisoned people – an indifference that merely takes the general expendability of human life in capitalist society to the extreme.

The four guards at his door – at a time when Ferhat was most likely still alive – decided NOT to open it, not even to attempt to do so – contrary to clear internal instructions on how to behave in the event of a fire. Immediate assistance was both possible and required – it was merely a smouldering fire. He was unable to help himself, as his door was locked from the outside. The prison officers failed to fulfil their resulting duty of care. Ferhat’s life was apparently not worth saving.

Pre-trial detention at Moabit Prison not only confined his body, but also stripped him of his dignity. In prison, people are managed and held in custody; those who do not conform have lost. Ferhat’s fate reminds us all of the inherent coldness of bourgeois society, which culminates in its prison system. His fate motivates us to fight in solidarity to abolish these conditions.

I am delighted that you are all still remembering Ferhat, even six years after his death. And that you are not ceasing to demand justice for him and for all the other victims of the prison system. Thank you for your commitment!


(Page 1): Summary (de/en)
(Page 2): Benjamin Düsberg (de/en)
(Page 3): Mutombo Mansamba (de/en)
(Page 4): Migrantifa Berlin (de/en)
(Page 5): Andreas Krebs (de/en)
(Page 6): Death in Custody (de/en)
(Page 7): Thomas Meyer-Falk (de/en)
(Page 8): KOP Berlin (de/en)

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