Demo in Gedenken an Ferhat Mayouf – 23.07.26

Veröffentlich am 25.05.2026

Gemeinsam mit den Genoss:innen von Migrantifa Berlin, Death in Custody, KOP Berlin, Free Mumia Berlin und dem Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen Berlin rufen wir als Rote Hilfe Berlin zur kommenden Demo auf, in Gedenken an Ferhat Mayouf. Wir teilen hier den gemeinsamen Aufruf.

[Es werden auf diesen Beitrag weitere Updates, Übersetzungen und Informationen folgen, letztes Update: 25.05.26]


In Gedenken an Ferhat Mayouf 

Solidarität statt staatliche Gewalt
Alle Knäste abschaffen!

Am 23.07.2020 starb Ferhat Mayouf im Alter von 36 Jahren im Knast Moabit an einer Rauchvergiftung. Für uns steht fest: Das war Mord! Mord durch diesen Staat und seine rassistischen Institutionen.

Ferhat wurde wegen eines belanglosen Diebstahlsvorwurfs festgenommen. Weil er keinen sicheren Aufenthalt hatte, kam er in U-Haft. Dort wurde er 23 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt. Seine Hilferufe nach medizinischer und psychologischer Versorgung wurden ignoriert. Stattdessen erfuhr er Demütigungen und Gewalt. Am Abend des 23.07. brach in seiner Zelle ein Feuer aus. Ferhat schrie um Hilfe. Anstatt schnell die Tür zu öffnen und ihn da rauszuholen, warteten die Wärter auf das Eintreffen der Feuerwehr, obwohl sie hätten helfen können. 27 Minuten lang wurde er in seiner versperrten Zelle dem Feuer ausgeliefert. 27 Minuten, die Ferhat das Leben gekostet haben.

Gewalt mit System:

Im Knast landen vor allem Menschen, die von Armut, Rassismus, Abschiebungen, Wohnungslosigkeit, traumatischen Biographien und psychischen Krisen betroffen sind. Aber auch jene, die ohne Ticket mit den Öffis gefahren sind oder sich notdürftig mit informellen Jobs oder Kleinkriminalität über Wasser halten. Das bloße Dasein dieser Menschen wird kriminalisiert. Dafür nutzt der Staat unterschiedliche Mittel, zum Beispiel das Aufenthaltsrecht, um Menschen zu illegalisieren, oder die Polizei, die arme, rassifizierte Menschen, Obdachlose und Drogennutzer:innen von öffentlichen Plätzen vertreibt.

Sicherheit für den Besitz von wenigen:

Soziale Probleme, die der Kapitalismus hervorbringt, löst der Staat mit Gewalt, indem er die davon Betroffenen bekämpft und den Wohlstand und die Macht einiger Weniger schützt. Das Gefühl von Sicherheit für alle durch das Abschotten und Einsperren Einzelner ist nur eine Illusion. Zukunftsperspektiven, genügend materielle Sicherheit und Begleitung und Schutz in Lebenskrisen schaffen gewaltfreie Alternativen. Die Kürzungen vom Berliner Senat für soziale Projekte und das Aufrüsten der Polizei sollen keinen gesellschaftliches Konflikt lösen können, im Gegenteil. Unterdrückung der Armen und technologische Überwachung von allen sind die Mittel der Regierung.

Tod statt Lebensperspektive:

Dass die JVA Moabit einen Suizidpräventionspreis 2025 erhielt ist für uns blanker Hohn. Gefängnisse sperren Menschen jahrelang weg. Menschen die ausgebeutet werden, die wenig bis keine medizinische Versorgung und unzureichende Ernährung erhalten, die von ihren Liebsten getrennt werden ohne jegliche Zukunftsperspektive. Hinzu kommt, dass der Knast ein System ist, was Machtmissbrauch und Gewalt fördert. Durch den fehlenden Blick von außen. Durch die enorme erstellte Abhängigkeit von Gefangenen gegenüber Bediensteten, Sozialarbeiter:innen, Direktion und sonstige. Und auch durch die fehlende und unerwünschte Aufarbeitung von Folter und Tod.

Sie haben Ferhat Mayouf der Freiheit beraubt und ihn dann gegen seinen Willen sterben lassen. Das war Mord!
Mord, weil Menschen durch den Knast systematisch zum Tod gedrängt werden. Zugleich ist das Suizidnarrativ ein beliebtes Mittel der Justiz, um jegliche Verantwortung oder gar aktive Mitschuld am Tod von Gefangenen abzustreiten.

Mehr Solidarität:

Wir wollen eine andere Zukunft und Zusammenleben. Und dabei denken wir auch an alle, die sich organisieren und für eine andere Gesellschaft einstehen. Genoss:innen aus der antifaschistischen, palästinasolidarischen, kurdischen, Klima- oder Antikriegsbewegung werden gnadenlos vom Staatsschutz gejagt, vor Gericht gezerrt und eingesperrt. Wir dürfen uns da nicht entzweiten lassen durch die Kriminalisierung einiger Aktivist:innen – es betrifft uns alle. Die Herrschenden können noch so viele Knäste bauen und Polizist:innen senden. Wir lassen uns die Zukunft und unser Recht auf Demonstrationen und Widerstand nicht nehmen.

Am sechsten Jahrestag gehen wir erneut auf die Straße, um Ferhat Mayouf zu gedenken und gegen die Verhältnisse zu protestieren, die zu seinem Tod geführt haben. Wir werden den Gefangenen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Wir lassen nicht zu, dass der Tod von Ferhat und die innere Gewalt des Knastes draußen in Vergessenheit geraten.

Kommt mit uns auf die Straße: Am 23.07.2025 um 18 Uhr am U-Bahnhof Turmstraße!

Kein Vergeben, kein Vergessen

Demo Route:
Auftaktkundgebung Nähe U-Bahnhof Turmstraße (Ecke Turmstraße / Wilhelmshavenerstr)
Dann bis zur Stromstraße links rein, bis zur Birkenstraße.
Rechts in die Birkenstraße rein, bis zur Wilsnackerstraße.
Rechts in die Wilsnackerstraße rein, bis zur Turmstraße.
Links in die Turmstraße rein, bis zur Rathenower Straße.
Rechts in die Rathenower Straße rein, bis zu Alt Moabit.
Rechts in die Alt Moabit rein, bis zum U-Bahnhof Turmstraße.


Ihr findet mehr Infos zu Ferhat Mayouf, andere Informationen, sowie eine Broschüre hier: https://berlin.rote-hilfe.de/2024/07/01/broschuere-zu-ferhat-mayouf/