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Haft? Solidarität! – Podiumsgespräch am 9.9. um 19Uhr, Mehringhöfe

Veröffentlich am 27.08.2025

Sowohl in Deutschland, als auch in der Türkei sind besonders kurdische Genoss*innen aufgrund ihrer Verfolgung nach vermeintlichen Antiterrorparagraphen oft mit langen Haftstrafen konfrontiert. Die Auswirkungen auf die Gefangenen und ihre Familien sind dabei immens. Knast bedeutet immer, aus dem selbstbestimmten Alltag herausgerissen und ein staatlich kontrolliertes System gezwungen zu werden. Hinzu kommen besonders in der Türkei menschenunwürdige Haftbedingungen: Physische und psychische Folter, Isolation, unzureichende oder ganz ausbleibende medizinische Versorgung, Misshandlungen, unzumutbare hygienische Zustände. Neben der emotionalen Situation ist auch die finanzielle Lage für die Gefangenen und ihre Familien eine enorme Belastung.

Und auch in Deutschland sitzen so viele Genoss*innen im Knast wie lange nicht. Dabei zeigt sich besonders an der unrechtmäßigen Auslieferung Majas nach Ungarn und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen, sowie den regelmäßigen Zeug*innenvorladungen von Danielas Besucher*innen, sowie der drohenden Abschiebung von MehmetÇakas die Verfolgungswut der deutschen Sicherheitsbehörden.

Wenn Staaten und ihre Repressionsbehörden derart feindselig gegenüber unseren Genoss*innen agieren, ist Solidarität unerlässlich – ob unter Gefangenen, von und mit Freund*innen und Angehörigen außerhalb der Mauern oder finanziell.

Aus diesem Anlass wollen wir uns mit Dr. Veysi Ülgen, dem Vorsitzenden der Ärztekammer in Diyarbakir, Autor und Mitarbeiter der TIHV, Yeter Erel Tuma, Psychologin und Co-Vorsitzende des Vereins der Angehörigen von Gefangenen (Tuay-Der) in Diyarbakır und Genoss*innen von Azadi darüber austauschen, wie diese notwendige Solidarität dauerhaft organisiert werden kann. Dass niemand allein bleibt und wir unsere politischen Kämpfe trotz Repression fortführen können.

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Zusammenfassung und Redebeiträge der Demo 2025 in Gedenken an Ferhat Mayouf

Veröffentlich am 11.08.2025

[in english below]

Zusammen mit den Genoss:innen von KOP Berlin, Death in Custody, Free Mumia, Young Struggle, dem Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen Berlin und Perspektive Selbstverwaltung, hatten wir als Rote Hilfe Berlin am fünften Todestag von Ferhat Mayouf, am 23.07.2025, zur Demo aufgerufen.

Um die 70 Menschen kamen an diesem regnerischen Tag zusammen im Kiez Moabit, um an Ferhat Mayouf zu Gedenken, die Gewalt in den JVA’s sichtbar zu machen, sowie die Forderung, Knäste abzuschaffen, auf die Straße zu bringen. Während der Demo gab es positive und interessierte Gespräche und Rückmeldungen aus der Nachbarschaft. Die Zwischenkundgebung vor der JVA Moabit hat auch versucht die Insassen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Unsere Genossen Mehmet Karaca und Nanuk sind auch unter diesen. Wir veröffentlichen alle Redebeiträge hier in ihrer schriftlichen Form, auf deutsch, sowie auf englisch.

Darüber hinaus gab es auch vor der Demo drei Veranstaltungen zu dem Thema Knast mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Mitschnitte aus Diskussionen werden im laufe der Zeit bearbeitet und in einer Radiosendung eingebaut. Diese (in der Zukunft), sowie die Broschüre zu Ferhat Mayouf und weitere Informationen findet ihr hier in diesem Beitrag.

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Solidaritätsbekundung mit Maja von Andreas Krebs

Veröffentlich am 17.07.2025

Krebs, Andreas Berlin, 11.06.2025
Seidelstraße 39
13507 Berlin

Vor Tagen habe ich einen Bericht in der jungen Welt gelesen über die aktuelle Lage zur Person Maja T., welche sich in Ungarn in Budapest in Haft befindet. So habe ich gelesen, dass Maja sich in den Hungerstreik begeben wird. Ich spreche hiermit meine volle Anteilnahme und Solidarität für Maja und alle anderen betroffenen im Budapestverfahren aus und stehe bedingungslos hinter Maja!

Alles was Maja den Behörden vorwerfen tut, kann ich ruhigen Gewissens auch auf das Land Italien beziehen. Dort sind die Praktiken ähnlich wie bei Maja. Schlafentzug, Hygiene unter aller Sau und man ist lebendig Begraben. Teilweise Sprechverbot und wenn es hart auf hart kommt wird nicht nur psychische Folter angewendet, sondern auch Körperliche! Erst vor Tagen kam ein Bericht auf ZDF Info mit Deutschen die sich in ausländischen Gefängnissen befinden und man berichtet über die Haftanstalt Santa Maria und die Haftanstalt Secondigliano in der ich mich befunden habe. Wer die ZDF Mediathek hat, kann die Sendung abrufen und ansehen. Länder wie Ungarn, Rumänien, Polen, Italien, aber auch die BRD sollten sich im 21 Jahrhundert in Grund und Boden schämen mit Menschen gleich welcher Nationalität und Hautfarbe, so zu verfahren und zu behandeln, schlimmer wie mit Vieh!

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Offener Brief von Andreas Krebs an den Senat für Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung

Veröffentlich am 17.07.2025
Untragbare Zustände in der JVA Tegel – dringender Handlungsbedarf

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns mit diesem Schreiben in aller Deutlichkeit an Sie, um auf die untragbaren Zustände in der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel aufmerksam zu machen. Die Situation hat sich in einem
Maße zugespitzt, das nicht länger hingenommen werden kann – weder von den Inhaftierten noch vom überforderten Personal.

Personalmangel & Überforderung

In der JVA Tegel herrscht massiver Personalmangel. Teilweise wird eine ganze Station – wenn nicht
sogar drei – von einer einzigen Beamtin oder einem einzigen Beamten betreut. Die Folge: Wichtige Abläufe brechen zusammen, Anträge können nicht mehr gestellt werden, auf die Belange der Inhaftierten kann kaum noch eingegangen werden. Das ist kein funktionierender Strafvollzug – das ist Verwahrlosung unter staatlicher Aufsicht.

Verwahrlosung sozialer Angebote & Gruppenbetreuung

Soziale Ausführungen sowie Maßnahmen zum Erhalt der Lebenstüchtigkeit, insbesondere für
Langzeitinhaftierte, finden de facto nicht mehr statt. Gruppenangebote? Fehlanzeige. Gespräche mit Gruppenbetreuern? Nicht mehr möglich. Die wenigen Sportangebote fallen regelmäßig aus, weil das Personal abgezogen wird. Auch die Gruppenleiter sind überfordert – es fehlen schlichtweg
ausreichend Gruppenleiter. Nicht alle Stationen sind mit Gruppenleitern besetzt. Die vorhandenen Kräfte müssen mehrere Stationen gleichzeitig bewältigen. Darunter leiden sowohl die individuelle Betreuung als auch die dringend notwendige Straftataufarbeitung. Perspektivgespräche und
Resozialisierungsmaßnahmen entfallen vollständig. Eine echte Perspektive auf Entlassung gibt es
der Justizvollzugsanstalt Tegel nicht mehr. Stattdessen herrscht hier ein Zustand institutionalisierter Perspektivlosigkeit unter Aufsicht des Staates.

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Hungerstreikerklärung von Maja und PM vom Bundesvorstand der Roten Hilfe

Veröffentlich am 08.06.2025

Wir teilen hier die Erklärung von Maja zum Hungerstreik, die Maja seit dem 05.06.25 angetreten ist. Außerdem teilen wir auch auf der zweiten Seite die Pressemitteilung vom Bundesvorstand der Roten Hilfe dazu. Wir rufen alle Genoss:innen dazu auf, Maja und allen antifaschistischen Genoss:innen auf unterschiedliche weise zu unterstützen. Auch hier nochmal der Hinweis auf die Bundesweite Demo am 14.06 in Jena. Mehr Infos dazu hier.


Hungerstreikerklärung von Maja

Mein Name ist Maja. Vor fast einem Jahr wurde ich rechtswidrig nach Ungarn ausgeliefert. Seitdem werde ich hier in menschenunwürdiger Langzeit-Einzelhaft gefangen gehalten. Gestern, am 4. Juni 2025, sollte über meinen Antrag auf Verlegung in den Hausarrest entschieden werden. Diese Entscheidung wurde verschoben. Die früheren Anträge auf Verlegung in den Hausarrest wurden abgelehnt. Ich bin nicht länger dazu bereit, in dieser untragbaren Situation auszuharren und auf Entscheidungen einer Justiz zu warten, die über die letzten Monate meine Rechte immer wieder systematisch verletzt hat. Ich beginne daher heute, am 5. Juni 2025, einen Hungerstreik. Ich fordere, dass ich nach Deutschland zurück überstellt werde, dass ich zu meiner Familie zurückkehren kann und dass ich von zuhause an dem Verfahren in Ungarn teilnehmen kann. 

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Redebeitrag von uns und Andreas vom 27.04

Veröffentlich am 27.05.2025

Am 27.04.25 kamen mehrere Menschen zusammen vor der JVA Tegel zu einer Kundgebung. Wir veröffentlichen hier unseren Redebeitrag, sowie den von Andreas Krebs. Ihr findet hier den ursprünglichen Aufruf: https://political-prisoners.net/berlin-kundgebung-jva-tegel-schluss-mit-der-ausbeutung-der-gefangenen/31803/
Einen Radiobeitrag dazu, mit vielen Eindrücken und den Beiträgen der Kundgebung findet ihr hier: https://radioaktivberlin.nostate.net/2025/05/10/andreas-krebs-hungerstreik-gegen-misstaende-in-der-jva-tegel/


Redebeitrag von der Roten Hilfe Berlin

Liebe Genoss:innen, liebe Mitreiter:innen,

ich grüße euch im Namen der Roten Hilfe Berlin. Die Gewalt und die Verachtung vom Staat gegenüber bestimmte Menschengruppen hat viele Gesichter und Formen. Statt die ökonomische Ungleichheit zu bekämpfen, wird diese verteidigt und arme Menschen werden, zum Beispiel durch Behörden, Justiz und Polizei, drangsaliert, sanktioniert und vertrieben.

Durch das Aufenthalts- und Ausländerrecht, wird die bloße Existenz von Menschen hier in Deutschland kriminalisiert und ihnen jegliche Perspektive verweigert. Oder denken wir an die systematische tödlicher Polizeigewalt, die vor knapp einer Woche Lorenz aus Oldenburg das Leben geraubt hat.

Uns gegenüber ist eine weitere Form permanenter staatlicher Gewalt. Diese Mauern, die so hoch und sichtbar sind, und gleichzeitig Menschen von uns isolieren und sie gesellschaftlich ausschließen und fast unsichtbar machen.

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Soli (Floh)Markt am 01.06 im Kaox

Veröffentlich am 25.05.2025

Wir freuen uns über die Initiative der Genoss:innen für den Soli (floh)markt und freuen uns wenn dieser gut besucht wird.


Soli (Floh)Markt

01.06.2025
11 Uhr
im Kaox (Türrschmidtstraße 1, 10317)

Es wird warm und wir haben alle zu viele Sachen: Es ist Flohmarktzeit!
Kommt am 01. Juni vorbei! Es wird Klamotten, Siebdruck, Soli Stände, Info Stände, Essen und Getränke, eine Graffiti Wand und vieles mehr geben.

Die Einnahmen unserer Stände werden an die Rote Hilfe und Nein zur Bezahlkarte Berlin-Brandenburg gehen.

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Pressemitteilung vom Bundesvorstand der Roten Hilfe zum erfolgreichen Hungerstreik von Andreas Krebs

Veröffentlich am 19.05.2025

Wir veröffentlichen hier die Pressemitteilung vom 18.05.25 des Bundesvorstands der Roten Hilfe.


Erfolgreicher Hungerstreik des Gefangenen Andreas Krebs

Andreas Krebs, der in der Berliner JVA Tegel inhaftiert ist, trat am 14.04.2025 in den Hungerstreik. Damit protestierte er zum wiederholten Male auf diese Weise gegen anhaltende Schikanen und chronisch schlechte Haftbedingungen.

Seitdem Andreas in der JVA Tegel einsitzt, hat er oftmals auf unterschiedlichem Wege für bessere Bedingungen in der Haft für sich selbst und andere gekämpft, ob gegen Postzensur, fehlende medizinische Betreuung, Schikane durch Beamt:innen oder auch nur das miserable und streng rationierte Essen. Auch dank seiner Veröffentlichungen werden die furchtbaren Zustände im Knast immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

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Demo in Gedenken an Ferhat Mayouf – 23.07.25

Veröffentlich am 16.05.2025

Gemeinsam mit den Genoss:innen von Death in CustodyKOP BerlinFree Mumia BerlinPerspektive Selbstverwaltung, Young Struggle, dem Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen Berlin rufen wir als Rote Hilfe Berlin zur kommenden Demo auf, in Gedenken an Ferhat Mayouf. Wir teilen hier den gemeinsamen Aufruf.
Darüber hinaus möchten wir auf drei unterschiedliche Veranstaltungen am, 16, 18 und 20 Juli hinweisen zum Thema Knast. Mehr dazu findet ihr auf Seite 5.

auf deutsch Seite 1 / in english page 2 / en français page 3 / باللغة العربية صفحة 4 /
Drei Veranstaltungen zum Thema Knast Seite 5 / Kurdisch (kurmandschi) Seite 6 / Türkçe Sayfa 7 /Broschüre und weitere Infos hier


In Gedenken an Ferhat Mayouf: Ausgegrenzt, kriminalisiert, ermordet

Alle Knäste abschaffen!

Am 23.07.2020 starb Ferhat Mayouf im Alter von 36 Jahren im Knast Moabit an einer Rauchvergiftung. Für uns steht fest: Das war Mord! Mord durch diesen Staat und seine rassistischen Institutionen.

Ferhat wurde wegen eines belanglosen Diebstahlvorwurfs festgenommen. Weil er keinen sicheren Aufenthalt hatte, kam er in U-Haft. Dort wurde er 23 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt. Seine Hilferufe nach medizinischer und psychologischer Versorgung wurden ignoriert. Stattdessen erfuhr er Demütigungen und Gewalt. Am Abend des 23.07. brach in seiner Zelle ein Feuer aus. Ferhat schrie um Hilfe. Anstatt schnell die Tür zu öffnen und ihn da rauszuholen, warteten die Wärter auf das Eintreffen der Feuerwehr. Zwanzig Minuten lang wurde er in seiner versperrten Zelle dem Feuer ausgeliefert. Zwanzig Minuten, die Ferhat das Leben gekostet haben.

Ausgegrenzt:

Im Knast landen vor allem Menschen, die von Armut, Rassismus, Abschiebungen, Wohnungslosigkeit, traumatischen Biographien und psychischen Krisen betroffen sind. Jene, die vor Krieg, Folter und Armut fliehen mussten, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Aber auch jene, die ohne Ticket mit den Öffis gefahren sind oder sich notdürftig mit informellen Jobs oder Kleinkriminalität über Wasser halten.

Kriminalisiert:

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die Angst vor dem Knast wieder verlieren…

Veröffentlich am 14.05.2025

Info- und Diskussionsveranstaltung
25. Mai | 18 Uhr | Mahalle – Waldemarstraße 110, Berlin – Kreuzberg

Nanuk sitzt wegen angeblicher Unterstützung einer kriminellen Vereinigung (der sog. Antifa-Ost-Komplex)  seit Oktober 2024 in U-Haft in der JVA Moabit. Mehmet sitzt wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung (PKK) seit November 2024 ebenfalls in Moabit in U-Haft. Gegen Nanuk und Mehmet wird auf Grundlage der Paragraphen 129 und 129b ermittelt, also den Vereinigungsparagraphen, die es den deutschen Behörden ermöglichen, gegen Beschuldigte und deren Umfeld ohne große rechtliche Hürden umfassend und langfristig zu ermitteln. 

Hier in Berlin sitzen Nanuk als Teil der antifaschistischen, und Mehmet als Teil der kurdischen Bewegung im Knast – beide verstehen sich als politische Gefangene. 

Seit Jahrzehnten werden kurdische Genoss:innen in der BRD verhaftet und zu langjährigen Strafen verurteilt, und die antifaschistische Bewegung in Deutschland kämpft gerade mit der Herausforderung, so viele gefangene Genoss:innen zu haben wie seit langem nicht mehr – der Blick sollte jedoch nicht nur auf diese Gefangenen begrenzt sein. Verteilt in der ganzen Bundesrepublik sitzen Freund:innen und Genoss:innen hinter Gitter, wegen ihres Kampfes für eine befreite Gesellschaft und gegen Faschismus, für Klimagerechtigkeit und Rechte von migrieren Menschen.

Kämpfe zu teilen heißt auch, im Falle von Repression solidarisch miteinander sein, Kämpfe zu vereinen, von Erfahrungen zu lernen und sich darüber auszutauschen. Mit den Anwält:innen von Nanuk, Antonia von der Behrens, und von Mehmet, Lukas Theune, diskutieren wir über Repression gegen die linke und kurdische Szene, Austausch und Solidarität zwischen Genoss:innen, den Brückenschlag zwischen Bewegungen und wie man als linke Person die Angst vor dem Knast wieder verlieren muss.

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