Death in Custody

Veröffentlich am 22.01.2020

Die Rote Hilfe Berlin schließt sich der Death in Custody Kampagne an

Die im September 2019 gegründete Kampagne Death in Custody1 ist ein Zusammenschluss verschiedener Initiativen, Gruppen und Personen, welche sich mit rassistischer Polizeigewalt auseinandersetzen. Ziel der Arbeit ist es auf die vielen Todesfälle in diesem Zusammenhang aufmerksam zu machen und die Version der Polizei auf die Geschehnisse nicht unkritisch hinzunehmen. Eine der Hauptforderungen ist die lückenlose Aufklärung der Morde und der fragwürdigen Todesursachen.

Oury Jalloh ist der wohl bekannteste Fall, dessen Ausgang nicht im Individuellen erkämpft wird, sondern im Rahmen eines politischen Kampfes gegen den staatlichen Rassismus. Dass die Ermordung von Oury Jalloh nicht einfach so vertuscht werden konnte und kann, liegt vor allem an der kontinuierlichen und standhaften Arbeit der Oury Jalloh Initiative2 und ihrer Verbündeten.
Die Betroffenen und Aktivist*innen werden dabei selbst kriminalisiert, um das Verhalten der Beamt*innen zu rechtfertigen. So wird im gleichen Atemzug die Gewalt der Polizei legitimiert und als notgedrungene Reaktion dargestellt. Auch als 2016 Hussam Fadhil Hussein in Berlin hinterrücks von Polizisten erschossen wurde, wird ihm ein Messer als Tatwaffe unterstellt, welches etliche Augenzeugen vor Ort in Frage stellen3. „Dieser politische Kampf darf sich nicht einschüchternlassen und muss fortgeführt werden“, teilt Alex Schneider, Sprecher*in der Roten Hilfe Berlin mit. „Denn zu hoffen, dass staatliche Institutionen fair und gerecht handeln, ist ohne Druck von außen nicht im Ansatz vorstellbar.“

Ohne einzelnen Beamt*innen die Verantwortung für ihr Verhalten zu entziehen, so ist doch klar, dass die Gewalt primär ein strukturelles Problem ist. Insbesondere die Instrumente, mit denen Polizei, AnkERzentren, Knäste und Co. ausgestattet wurden, sind per se repressiver Natur, schließen also die Anwendung von Gewalt zwangsläufig mit ein.
Racial Profiling bleibt rassistisch, selbst wenn die Bullen sensibilisiert werden, das N-Wort nicht mehr zu nutzen. Und die Gewalt nimmt im Gewahrsam noch zu, da es von der Außenwelt abgetrennte Räume sind.

Die einseitigen Narrative der Justiz und Polizei durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit zu den Todesfällen zu brechen, ist einer von vielen nötigen Schritten um solche straflosen Morde in Zukunft zu verhindern. Doch mit der bloßen Forderung nach Aufklärung dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Wir brauchen einen radikalen gesellschaftlichen und strukturellen Wandel.

Die Rote Hilfe Berlin schließt sich der Kampagne an und solidarisiert sich mit den Angehörigen, Freund*innen, Bekannt*innen und Unterstützer*innen der Verstorbenen durch rassistische Polizeigewalt.

1Siehe mehr dazu: https://deathincustody.de

2Siehe mehr dazu: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com

3Siehe mehr dazu: https://kop-berlin.de/files/142